67 Schülerinnen und Schüler der Klassen 11 a/b/c und vier Lehrkräfte machten sich im Doppeldecker am 17. März auf den Weg nach Berlin. Diese historisch-politische Exkursion ist Teil des Fahrtenprogramms am Reinhart.
Erster Stopp: Berlin-Teufelsberg. Der mit 120 Metern zweithöchste Berg Berlins besteht aus Schutt zerbombter Häuser, der dort 20 Jahre lang nach dem 2. Weltkrieg abgelagert wurde. Schnell entdeckten die Alliierten die Erhebung für ihre Zwecke und installierten dort eine Abhöranlage der NSA, die das Gebiet bis weit in den Warschauer Pakt hinein abhören konnten. Heute ist dieser Ort Europas größte Street-Art-Galerie. Bis auf die verfallenden Radome kann das ganze Gelände besichtigt werden.
Der Bus brachte uns dann direkt zum Hostel, zentral am Hauptbahnhof gelegen. Nach dem Check-In erwarteten uns Führungen durchs Regierungsviertel (auf dem Programm standen das Holocaustmahnmal, das Denkmal für die von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen, das Brandenburger Tor, das Kanzleramt, wo man durch die große Glasfassade ins Büro des Bundeskanzlers blicken konnte).
Im Anschluss hatten wir auch schon unseren Termin im Bundestag: zuerst ein Vortrag auf der Besuchertribüne im Plenarsaal und dann ein Treffen mit dem CSU-Abgeordneten Heiko Hain. Er ist der Direktkandidat aus unserem Wahlkreis und vertritt das Hofer Land seit 2025 in Berlin. Die Schülerinnen und Schüler durften ihn mit Fragen löchern – zu seinem Arbeitsalltag in Berlin, aber auch zu konkreten Sachfragen wie der Wehrpflicht. Abschließend fuhren wir in die Kuppel des Reichstagsgebäudes, wo sich uns Berlin bei Nacht beeindruckend präsentierte.
Die Gesichter vieler Teilnehmenden verrieten es beim ersten Frühstück im Hostel: Die Nacht war für einige sehr kurz gewesen! Beim Buffet blieben kaum Wünsche offen und gestärkt ging es gleich über zu nicht so leichter Kost: zur Gedenkstätte Hohenschönhausen, besser bekannt als ehemaliges Stasi-Gefängnis. Bei Führungen in drei Gruppen konnten wir in die Geschichte des Hauses und die Geschichten der Menschen, die dort eingesperrt waren, Einblick bekommen. Ein Guide wurde 1987 beim Fluchtversuch nach Bayern verhaftet und konnte uns als Zeitzeuge von den psychischen Foltermethoden der Stasi-Mitarbeiter in diesem Gefängnis erzählen.
Die Mittagspause verbrachten viele am Alex oder in Kreuzberg, bei milden Temperaturen und Sonnenschein. Nachmittags standen Besuche im „Tränenpalast“, einst Abfertigungshalle zwischen West- und Ost-Berlin, und der „Topographie des Terrors“, ehemaliges SS- und Gestapo-Hauptquartier, heute Ort der Erinnerung an die Verbrechen des Dritten Reiches, auf dem Plan.
Abends trafen wir uns alle wieder am Hackescher Markt, zur Nachtführung durch Friedrichshain und Kreuzberg. Berliner Nachtlebenluft schnuppern. Street-Art im Hinterhof des Hauses Schwarzenberg erkunden, subkulturelle Szene am Ufer der Spree am RAW-Gelände auf sich wirken lassen – mit Skatehalle (leider waren die Skater nicht so freundlich wie erwartet), Boulderkomplex und einer Tele-Disco, gleichzeitig die Kontraste zu aufwändig sanierten Gebäuden und protzigen Geschäften wahrnehmen. Am Rückweg schlenderten wir entlang der East-Side-Gallery zum S-Bahnhof. Bei einem Großteil der Schülerinnen und Schüler zeigten sich die Ermüdungserscheinungen deutlich, sodass wir nicht mehr über die Oberbaumbrücke nach Kreuzberg gingen.
Am dritten Tag checkten wir nach dem Frühstück aus. Draußen wieder herrliches Frühlingswetter. Auf dem Programm standen die Gedenkstätte Deutscher Widerstand und das Museum DDR im Alltag in der Alten Kulturbrauerei. Die Gedenkstätte befindet sich in einem Seitenflügel des Bendlerblocks, Sitz des Bundesministeriums für Verteidigung. In diesen Räumen planten die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 die Operation Walküre. Hier fanden im Innenhof aber auch die Standesrechtlichen Erschießungen von Stauffenberg und seinen Mitverschwörern statt. Ein Mahnmal erinnert daran. Im DDR-Museum wurden wir durch die Ausstellung mit dem Schwerpunkt „Alltag von Jugendlichen in der DDR“ geführt. Eindrücklich wurde hier das Spannungsfeld vermittelt, in dem man sich in der DDR zurechtfinden musste. Der Wunsch nach Freiheit und einem selbstbestimmten Leben, dazu aber Kontrolle, Überwachung, Indoktrination und Einengung durch das DDR-System. Dass Not beziehungsweise Mangel aber erfinderisch macht, davon zeugten viele der Exponate, wie ein Trabbi mit selbstkonstruiertem Dachzelt.
Die Mittagszeit konnte wieder nach Belieben verbracht werden. Einige Schüler nutzen die Gelegenheit, um sich im Westen noch das KaDeWe, die Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und den „Goldenen Riss“ am Breitscheidplatz anzuschauen.
Ohne Stau brachte uns der Doppeldecker abends wieder ans Reinhart zurück. Müde, aber voller neuer, schöner Erfahrungen in unserer Bundeshauptstadt!
(Veronika Grimm)





















